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Space-Odyssey in Flensburg

Anläßlich der weltweiten Space-Odyssey fand am vergangenen Wochenende auch in Flensburg der erste internationale Hanftag statt. Unter dem Motto "Lets talk about drugs..." gab es bereits am Vorabend eine Livesendung im Offenen Kanal Flensburg. Leider entsprach die Beteidigung nicht den Erwartungen der Initiatoren; statt 20 - 30 Cannabiskonsumenten outeten sich nur sieben Aktive der Legalisierungsbewegung. Obwohl der Konsum an sich ja nicht strafbar ist, traute sich keiner der "heimlichen Flensburger Kiffer" vor die Kameras.

Dies änderte sich am Samstag vor dem Informationsstand, der in der Fußgängerzone aufgebaut war. Die Jugendlichen Mia und Kai ließen sich von Hallimasch-TV zu den Risikofaktoren verschiedener Drogen befragen. Anhand des Roques-Berichtes - einer Studie der französischen Regierung -wurde ihre Meinung mit dem aktuellen Wissenstand verglichen. Die Gefahr von Heroin und die relative Harmlosigkeit von Cannabis wurden von ihnen richtig eingeschätzt; die Risiken (Abhängigkeit, Giftigkeit und soziale Gefährlichkeit) von Alkohol wurden verkannt.

Der Informationsstand wurde auch von vielen älteren Leuten aufgesucht, wie Irene Weber, die Initiatorin, feststellen konnte. Erfreut war sie auch über jene 22, die im Rahmen der "Zeig-Dich-Kampagne" unterschrieben, mindestens schon einmal Cannabis konsumiert zu haben. Bei dieser Aktion, die vom Jugendrichter und Pädagogen Werner Sack ins Leben gerufen wurde, geht es darum 100.000 "Bekennerunterschriften" zu sammeln, die dann wie damals bei der Kampagnegegen den 218 der Staatsanwaltschaft zur "Kenntnisnahme und weiteren Veranlassung" übergeben werden sollen. Als Fazit sagte Irene Weber: "Ich war begeistert, daß die Flensburger so aufgeschlossen sind."

Diese Einschätzung belegt auch eine Umfrage unter älteren Passanten, die von Hallimasch-TV durchgeführt wurde; fünf Interviewte sprachen sich für die Legalisierung aus, vier waren dagegen - bei einer Enthaltung ("vielleicht"). Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ war, sollte das Ergebnis den Parteien in Kiel zu denken geben. Die Angst der Politiker wegen der Legalisierung von Cannabis Wählerstimmen einzubüßen ist möglicherweise unbegründet, da offensichtlich viele Wähler ihre Informationen nicht nur aus der Bildzeitung beziehen. An einer Spiegel-Online-Umfrage nahmen kürzlich 3.211 Personen teil, davon sprachen sich 78,98 % für die Legalisierung aus, 15,29 % waren dagegen und 5,73 % waren unentschieden (Stand: 6.5.2001).

An der Demonstration beteiligten sich ca. 40 meist jugendliche Legalisierungsbefürworter. Zur geringen Anzahl meinte einer der Teilnehmer: "Ich habe heute mehr Kiffer als Demonstranten in der Innenstadt gesehen". Anzeichen des amotivationalen Syndroms? Der Veranstalter äußerte sich enttäuscht darüber, waren doch im Aufruf auch anderer Gruppen eingeladen, wie "der Pädagoge, der weiß, daß die Kriminalisierung von Cannabis schlimmere Auswirkungen hat als die Droge selbst, oder der Schmerzpatient, der das beste und preiswerteste Medikament in der Apotheke bekommen möchte, oder aber der Politikerm der einmal etwas über die Glaubwürdigkeit seines Standes tun möchte".

Auf den Transparenten wurde "Hanf fürs Volk" gefordert, auch "keine Politik gegen Pflanzen" und "das Schädlichste an Cannabis ist das Gesetz". Statt Parolen wurde gesungen: "das zu verbieten ist schamlos, die könnten es langsam mal kapieren, Haschisch rauchen macht harmlos, also los Leute legalisieren!".

Die Demonstration wurde mit einer Abschlußkundgebung am Nordermarkt beendet. Der Veranstalter Peter Bluhm nahm einleitend zum Thema "Cannabis als Einstiegsdroge" Stellung. Seine erste Rauschdroge war Alkohol, durch Cannabis konnte er sich von dieser Volksdroge befreien.

Damit gab er den Anstoß, daß sich auch andere TeilnehmerInnen der Demonstration übers Mikrophon äußerten. Eine Frau berichtete, daß ihr eine Heilpraktikerin gegen ihre Magersucht zwei bis drei Joints täglich empfohlen hatte: 10 kg Gewichtszunahme waren das Ergebnis. Eine andere Teilnehmerin erzählte, daß ihr Cannabis oft gegen ihre Depressionen helfe.

Es wurde auch über eine Studie berichtet die besagt, daß das Autofahren unter dem Einfluß von THC nicht allzu gefährlich sei. Dem widersprach der Veranstalter und warnte gleichzeitig davor, jegliche Maschinen unter dem Einfluß der Droge zu bedienen.

Mit ihren Aktionen zur Global Space Odyssey wollen die Veranstalter dazu beitragen, daß die Droge Cannabis entdämonisiert und durch eine erfahrungsbezogene, sachliche Diskussion Wege zu einer Legalisierung geebnet wird.

Ganz egal ob man sich den Rausch durch Alkohol oder Cannabis verschafft - auf den richtigen Umgang kommt es an.

Peter Bluhm


Nach ihrer "Lieblingsdroge" befragt, entspann sich folgender Dialog:

Frage:     Hast Du eine "Lieblingsdroge"
Kai:       Ich weiß nicht direkt, ich kann das nicht sagen, also
           Alkohol... Cannabis ist eigentlich hervorragend
Frage:     wie sieht es bei Dir aus Mia? Angenommen Du hättest die
           freie Auswahl, was würdest Du nehmen?
Mia:       Cannabis natürlich. 
Frage:     Und warum nicht Alkohol?
Mia:       Weil man so schnell davon voll wird und dann nicht mehr
           so genau weiß was man macht.
Frage:     Das passiert bei Cannabis nicht?
Mia:       Nicht so stark.
Kai:       Und es ist lustiger (Mia lacht)
Frage:     Schlechte Erfahrungen mit Alkohol?
Mia:       Na ja, man macht so komisch Dinge, die man eigentlich
           nicht so tun würde. Und ja... 
Frage:     Was heißt denn nun komisch?
Mia:       Man labert viel Scheiße. 

Anmerkung: Beim Interview stand Mia nicht unter Alkoholeinfluß